Bernhard Ley: Mit Gitarre und Kamera
von Christian PlatzBernhard Ley ist der Mann, der die «Jazzschule Basel JSB» möglich gemacht hat, deren Berufsabteilung - und auch das ist zu grossen Teilen sein Verdienst - heute als Hochschule funktioniert und der Musik-Akademie Basel-Stadt angegliedert ist.
Michel Petrucciani by Bernhard Ley |
Ley hat sich als Schuldirektor «seiner» Swinging Academy jahrelang - man könnte durchaus sagen heldenhaft - durch die verschlungenen Pfade der Schul- und Hochschulpolitik, durchs Dickicht der Finanzen und Sponsoren geschlagen. Oft hat er sich in der Zeit vor zwei, drei Jahren, als es galt, das Überleben der Jazzschule zu sichern, wohl mehr auf dem Problemfeld Hochschulabkommen bewegt, als es ihm lieb gewesen wäre; schliesslich ist der Mann ein Kreativer, ein Gitarrist. Und oft genug sagte er damals, zwischen Aktenstössen eingesperrt: «Ach, wenn ich doch nur wieder mehr Musik machen könnte»
Auch ist er - als Jazzschulleiter und Musikpädagoge - einer, der es stilistisch nicht eng sieht. Er wusste immer schon, dass Jazzerinnen, Jazzer und Studentinnen, Studenten der klassischen Musik im Studium durchaus inhaltlich voneinander profitieren können. Ley selber studierte in Österreich, in Graz, an einem Konservatorium, an dem für die Jazzleute europäische klassische Musik genauso auf dem Unterrichtsplan stand, wie Blue Notes und Offbeats für die Klassik-Leute. Musik lebt eben auch von Kommunikation.
Ley war nie engstirniger Vertreter einer (wie auch immer gearteten) «reinen Jazzlehre» - die es ja bekanntlich im Jazzpädagogen-Universum auch gibt -, vielmehr schuf er die Jazzschule Basel von Anfang an als «offenes Institut», das auch modernen Musikströmungen, europäischer Klassik, elektrischer Musik und so genannter World Music gegenüber aufgeschlossen ist. Die Jazzschule Basel bildete immer Jazzmusikerinnen und -musiker für unsere Zeit aus.
SYNERGIEN FREISETZEN...
Diese Philosophie passt bestens zur Programmierung des hiesigen Jazzveranstalters Nummer eins - «Off Beat» -, der auf dem Platz Basel schon seit über 20 Jahren hervorragende Jazzkonzerte vieler Stilrichtungen sowie ein Jazz-festival von internationalem Gepräge und Rang inszeniert (zu Anfang unter dem Namen «Jazz in Basel», später eben als «Off Beat», der Motor der Konzerte ist allerdings in beiden Fällen derselbe Mann: der Basler Jazz-Dynamo Urs Blindenbacher). Als sich «Off Beat» und die Jazzschule vor ein paar Jahren zum Verein «Off Beat/JSB» zusammenschlossen, damit begannen, gemeinsam gute Konzerte zu verantworten, durchzuführen, hatten sich genau die Richtigen getroffen. Synergien wurden freigesetzt.
...TALENTE ENTDECKEN...
Und damit ein weiteres Talent des Gitarristen und Schuldirektors Ley, welches der Öffentlichkeit bis dahin unbekannt war; ein grafisches und fotografisches nämlich. Schon an den ersten Konzerten, die unter dem Doppel-Markenzeichen «Off Beat/JSB» liefen, konnte man Ley mit seiner Kamera beobachten; wie er während der Sets ganz diskret auf Motivsuche um die Acts herumpirschte - die Fotos wurden etwas; und wie. Bald schon zierten Bilder von Ley die Plakate und das Informationsmaterial der Basler Bestmarke in Sachen Jazzveranstaltungen. Eine Zeit lang war er auch als Grafiker in eigener Sache aktiv, gestaltete die schön schrägen Plakate des Konzertveranstalters - am Anfang schräg im wahrsten Sinne des Wortes, die Dinger waren nämlich an den Rändern, passend zum Begriff «Off Beat», leicht schräg geschnitten. Ley legte mit dieser Gestaltungsarbeit den Grundstein für den optischen Auftritt von «Off Beat/JSB»; heute werden die Plakate nicht mehr von ihm gemacht, doch grundsätzlich wurde seine Vision beibehalten.
...UND DAS INNENLEBEN ERKUNDEN
Doch immer noch zieren Ley-Fotos die meisten Plakate von «Off Beat/JSB». Oft sind es eindrückliche Porträts von Jazzmusikern in Aktion, gut getroffen... Doch Ley kann als Fotograf und Musiker noch eine andere Ebene beleuchten, eine, die sonst in Sachen Konzertfotografie eher zu kurz kommt. Ley kann sozusagen das Innenleben der Musik, den Arbeitsmoment eines Konzertes auf bestechende Weise einfangen. Bilder jenseits von bekannten Musikerposen...
Ley zeigt etwa eine Big Band «von innen», zeigt die beeindruckenden telefonbuchdicken Notenstapel auf den Pulten der Musiker. Er zeigt die Hände des Pianisten, die suchend Soli in die Tasten, die die Welt bedeuten, modellieren. Er fotografiert den Schlagzeuger so, dass du das Metall der Becken beinahe schwingen hörst. Und genau diese Art von Ley-Bildern, die sich eben weit jenseits bekannter Jazz-Klischee-Welten auftun, wurden für dieses Basler Magazin ausgewählt. Denn gerade diesen Fotos sieht man die Erfahrung Bernhard Leys als Musiker, als Jazzer an; er findet mittels dieser Erfahrung eben Motive, die der Fotografin, dem Fotografen, die/der einfach ein gutes Konzertbild schiessen will, verborgen bleiben. Der fotografierende Gitarrist lässt uns Jazz auf eine neue Art optisch erleben.






Michel Petrucciani by Bernhard Ley